🐦 Bob der SuperStar

Ein junger Wildvogel braucht Hilfe

Manchmal hält das Leben auf einer Finca Überraschungen bereit, die man sich so nicht ausmalen könnte. An einem sonnigen Nachmittag war ich gerade mit unseren beiden Hunden im Garten, als plötzlich etwas Dunkles wie aus dem Nichts vom Himmel fiel – direkt vor die Pfoten von Diego.

Der kleine Gast vom Himmel

Als ich näher kam, sah ich einen kleinen Jungvogel, einen sogenannten Ästling, am Boden sitzen, seitlich liegend, erschöpft und verängstigt. Er lebte, aber ich wusste sofort: Jetzt muss es schnell gehen. Ich rief die Hunde ins Haus, um den kleinen Bruchpiloten zu schützen.

Er blieb regungslos, die Augen offen, sichtbar unter Schock. Ich holte Küchentücher und eine kleine Kiste – sein provisorisches Schutznest. Vorsichtig hob ich ihn mit den Tüchern hoch, um direkten Kontakt zu vermeiden. Ein Wildtier ist kein Kuscheltier, auch wenn er – zugegeben – wirklich entzückend aussah. Beim Anheben bemerkte ich eine kleine Blutspur am Bein, ansonsten wirkte er unverletzt.

Auf der schattigen Terrasse richteten mein Sohn und ich ihm mit einem Geschirrtuch ein weiches Nest. Er sollte sich sicher fühlen und vor Sonne, anderen Tieren und Gefahren geschützt sein.

Junger Wildvogel Bob, direkt nach dem Fund, im Hof einer Finca in Spanien liegend
Junger Wildvogel Bob in einer kleinen Kiste mit selbstgemachtem Nest, zur Erholung auf einer Finca in Spanien.

Erste Hilfe für Wildvögel – was wirklich hilft

In solchen Momenten zählt jede Minute – und die richtigen Maßnahmen können den Unterschied machen:

  • Traubenzucker-Lösung: Eine Messerspitze in 100 ml Wasser auflösen. Mit einem Wattestäbchen seitlich am Schnabel anbieten, nie hineintröpfeln. Ein leichtes „Klopfen“ am Schnabel imitiert die Fütterung der Eltern. Vorsicht, dass man mit dem Wattestäbchen und der Flüssigkeit nicht die Nasenlöcher verstopft.
  • Gekochtes Eigelb: Winzige Portionen (Stecknadelkopfgröße) mit einer Pinzette geben, kein Eiweiß.
  • Kleine Insekten: Spinnen oder Fliegen sind geeignet, keine harten Käfer, Bienen oder Wespen.

Eine Nacht voller Fürsorge


Als es dämmerte, beschlossen wir, Bob über Nacht im Haus zu behalten. Besonders schön war zu sehen, wie sich mein zwölfjähriger Sohn rührend um den kleinen, hilflosen Vogel kümmerte – behutsam, achtsam und voller Empathie. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Kind so selbstverständlich Verantwortung übernimmt, und uns ist es wichtig, dass er lernt, mit allen Lebewesen respektvoll umzugehen. Die Liebe zu Tieren trägt einen großen Teil dazu bei, Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln – Fähigkeiten, die weit über diesen einen Moment hinaus wichtig sind.

Wir stellten die Kiste ins Gästezimmer und legten das Backofengitter oben auf, damit er nicht entwischt und sich verletzt. Später, als wir schlafen gingen, warf ich noch einen Blick hinein: Bob hatte den Schnabel unter den Flügel gesteckt und schlief tief und fest. Ein wunderschöner Anblick.

Zurück in die Freiheit

Am nächsten Morgen hörte ich sein Rufen – und draußen im Garten wahrscheinlich die Antwort seiner Eltern. Schnell fing ich eine kleine Spinne und gab sie ihm als Frühstück. Gestärkt trug ich ihn an den Ort zurück, an dem ich ihn gefunden hatte.

Kaum hatte ich das Gitter entfernt, hüpfte Bob putzmunter aus der Kiste und flatterte in die Büsche.

Wir freuten uns, dass er sich so gut erholt hatte und wieder in seinen Lebensraum zurückkehren konnte.

Finca-Leben – nah an der Natur

Solche Momente gehören einfach zum Leben auf einer Finca: Plötzlich steht man mitten in der Natur, hilft einem Tier in Not und fühlt die Freude, wenn es wieder in die Freiheit kann. Das Finca-Leben ist oft spannend, manchmal herausfordernd und immer nah an der Natur – mit Situationen, in denen man spontan eine Lösung finden muss.