Warum wir ausgewandert sind
Warum Spanien – und warum gerade die Costa Blanca
Der Wunsch, in ein wärmeres Land zu ziehen, begleitete uns schon länger. Wir wollten dabei aber nicht ganz Europa den Rücken kehren – denn unsere Familie lebt in Deutschland, und sie soll auch künftig Teil unseres Lebens bleiben. Allzu ferne Länder wie Südamerika waren damit ausgeschlossen: zu weit, zu teuer, zu kompliziert. Spanien hingegen war für uns die perfekte Kombination – geografisch, kulturell und menschlich.
Es gibt viele Gründe, warum Menschen sich für Spanien entscheiden. Für uns war es vor allem dieser besondere Mix:
Das milde Klima an der Costa Blanca, das bei uns in der Region ganzjährig frostfrei ist, die wunderschöne Sprache, das Mittelmeer vor der Haustür, die Weite und gleichzeitig die Nähe zu den Bergen.
Was uns besonders begeistert hat – und auch bis heute immer wieder aufs Neue begeistert – ist die Herzlichkeit der spanischen Menschen. Sie sind offen, hilfsbereit und unkompliziert. Der mediterrane Lebensstil trägt seinen Teil dazu bei: Man lebt draußen, bewegt sich, entdeckt jeden Tag neue Orte. Die Lebensqualität, die hier entsteht, ist kaum in Worte zu fassen – man muss sie erleben.
Natürlich muss man auch hier arbeiten und seinen Alltag organisieren, das ist selbstverständlich. Aber die Rahmenbedingungen sind so viel angenehmer, dass sich vieles leichter anfühlt – selbst ganz normale Tage.
Der richtige Zeitpunkt: Schule, Kind, Übergang
Der richtige Moment war für uns gekommen, als unser Sohn die Grundschule abgeschlossen hatte. Der Wechsel auf eine weiterführende Schule stand ohnehin bevor, und damit trennten sich auch die Wege vieler seiner bisherigen Klassenkameraden. Dieser Übergang erschien uns ideal, um gemeinsam mit ihm ein neues Kapitel zu beginnen – in einer neuen Sprache, einem neuen Land, mit neuen Perspektiven.
Der Anfang in Spanien – zwischen Immobiliensuche und Familienfragen
Als wir schließlich in Spanien ankamen, war es uns wichtig, uns erst einmal in Ruhe umzusehen. Wir wollten nicht einfach irgendeine Immobilie, sondern hatten eine sehr klare Vorstellung davon, wie wir wohnen wollten: Ob Penthouse, Villa, Finca oder Haus in der bergigen Region – wir hatten uns zu Hause bereits intensiv mit diesen Optionen auseinandergesetzt und wussten genau, was zu uns passt.
Gleichzeitig war da natürlich auch Unsicherheit: Wird alles klappen? Was, wenn doch Zweifel aufkommen? Gerade wenn man mit Kindern auswandert, trägt man eine besondere Verantwortung. Unser Sohn war anfangs verständlicherweise zurückhaltend. Er hatte Angst, sein Zuhause zu verlieren, seine Freunde, seine gewohnte Umgebung und die Familie zurückzulassen. Auch die sprachliche Barriere machte ihm Angst. Ich weiß noch wie er in unserem früheren zu Hause in Deutschland geweint hat und sagte: „Ich verliere alle meine Freunde inklusive Oma und Opa“. Das ist natürlich schwer aus Muttersicht auszuhalten.
Aber bereits während unseres Aufenthalts vor Ort konnte er erleben, dass vieles von dem, was ihm wichtig war, nicht verloren ging. Im Gegenteil: Seine Freunde und Familienmitglieder kamen uns besuchen, und er verstand schnell, dass er jederzeit nach Deutschland fliegen kann, wenn er möchte. Gleichzeitig eröffneten sich ihm neue Möglichkeiten: Er fand schnell Anschluss – in der Schule, im Fußballverein, in der Nachbarschaft. Die Offenheit der Kinder hier in Spanien hat uns sehr berührt, selbst ohne spanische Sprachkenntnisse war das kein Problem. Ich habe ihm immer gesagt, ein Lächeln zu den Kindern versteht man auf der ganzen Welt und zeigt den anderen Kindern, dass er ein toller Junge er ist. Und auch wir Erwachsenen hatten das Gefühl, dass es hier leichter ist, ins Gespräch zu kommen. Die Menschen begegnen einem mit einer natürlichen Freundlichkeit – das macht vieles einfacher.
Ankommen, einziehen, losleben – mit Hund, Kater und Papierstapel
Nach unserer Entscheidung für eine Finca war für uns klar: Jetzt gibt es kein Zurück mehr – nur noch vorwärts. Wir haben unser Zuhause in Deutschland aufgelöst, viele Möbel verkauft, Überflüssiges losgelassen. Was wir behalten wollten, kam mit der Spedition – etwa zwei Wochen zeitversetzt.
Unser Umzug nach Spanien war dabei alles andere als glamourös – sondern bodenständig und sehr real: Wir haben das Auto gepackt, die nötigsten Dinge eingeladen, wichtige Unterlagen sorgfältig in greifbare Nähe gelegt, unseren Kater Eddy auf die Rückbank und unseren Hund Diego in den Kofferraum gesetzt – und sind losgefahren.
Die erste Nacht auf der Finca war besonders. Keine Umzugskisten, kein WLAN, kein kompletter Haushalt, nur eine Luftmatratze – aber dafür: Freiheit, frische Luft und das gute Gefühl, angekommen zu sein.
Zu Beginn haben wir eine kleine Liste „abgearbeitet“
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Anmeldung im Rathaus
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Steuerberater gefunden
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Selbstständigkeit angemeldet
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Bankkonto eingerichtet
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Erste Ausflüge gemacht
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Spanisch angewendet 😊
Neben all den To-dos haben wir uns aber auch bewusst Zeit genommen, um die Umgebung kennenzulernen. Wir sind viel gefahren, haben die Region erkundet, neue Orte entdeckt, erste Kontakte geknüpft – und dabei fast nebenbei unser Spanisch verbessert. Man wächst da einfach rein, Schritt für Schritt.
War es die richtige Entscheidung? Ja – jeden Tag aufs Neue.
Natürlich leben wir auch hier unseren Alltag. Auch hier gibt es Herausforderungen, und auch in Spanien läuft nicht immer alles reibungslos. Manche Aufgaben, die uns in Deutschland vertraut und schnell lösbar erschienen, brauchen hier einfach mehr Geduld – besonders, wenn sprachliche Hürden dazukommen.
Aber genau da zeigt sich die Stärke dieses Landes: Die Menschen hier sind so offen und hilfsbereit, dass wir bisher jedes Problem gemeinsam lösen konnten – oft einfacher, als wir zunächst dachten.
Was für uns wirklich zählt, ist das Leben, das wir heute führen dürfen. Dieser ständige Wechsel zwischen Meer und Bergen, die Möglichkeit, spontan Ausflüge zu machen oder einfach in Ruhe auf der Finca zu sein. Das milde Klima, die Sonne, die vielen klaren Tage – all das gibt Kraft.
Wir wohnen etwas zurückgezogen, etwa eine halbe Stunde vom Meer entfernt, und genau das lieben wir. Wenn man abends im Garten sitzt und den Vögeln zuhört oder morgens mit ihrem Zwitschern wach wird, dann weiß man: All die Mühe hat sich gelohnt. Für diese Lebensqualität – für diese Ruhe – würden wir die Entscheidung jederzeit wieder treffen.



